Jerry Lee Lewis – eine lebende Legende
Vorwort des Verfassers.
Es ist schon sehr viel über Jerry Lee Lewis geschrieben worden und es gibt wohl nur wenige Augenblicke seines Lebens, die nicht in irgendeiner Form dokumentiert sind.
Ich möchte hier meine eigenen Gedanken über den Mann niederschreiben, dessen Musik mich mein ganzes Leben lang begleitet und fasziniert hat und dessen Bühnenauftritte für mich immer ein akustischer und optischer Hochgenuss waren und sind. Aus diesem Grund sei allen Lesern jetzt schon gesagt, dass dies kein objektiver Bericht werden wird.
Olaf Kleinecke
Jerry Lee einige Monate alt
Wie alles begann
Das Jahr 1935 bescherte der Welt zwei Persönlichkeiten, die über ein halbes Jahrhundert hinweg die Musikgeschichte dieser Welt maßgeblich beeinflussen sollten und die eine Bewegung in Gang gesetzt haben, die die Menschen in zwei Lager spaltete: für und gegen den Rock'n Roll.
Am 9.Januar 1935 erblickt in Tupelo, Mississippi, ein Baby das Licht der Welt, das später einmal der King des Rock'n Roll werden sollte: Elvis Presley.
Neun Monate später, am 29.September 1935 wurde in Ferriday, Louisiana, der kleine Jerry Lee Lewis geboren. Seine Eltern, Mamie und Elmo Lewis ahnten zu dieser Zeit noch nicht, dass ihr Sohn einmal dem King die Krone streitig machen würde.
Jerry im Alter von 10 Jahren
Überlassen wir es dem Leser zu entscheiden, wer die Krone tatsächlich verdient (für mich stellt sich diese Frage nicht!).
Jerry Lee Lewis hat das Problem später auf seine Art gelöst indem er sagte: "Elvis ist zwar der Größte, aber ich bin der Beste."
Mrs. Lewis und Ihr Sohn
Die ersten Jahre
Jerrys Kindheit verlief in dem kleinen Ort Ferriday sehr eintönig. Ein schlimmes Erlebnis im Alter von 3 Jahren war der Tod seines 5 Jahre älteren Bruders Elmo. Er kam bei einem Autounfall ums Leben. Die Mutter war zu dieser Zeit allein auf sich gestellt, Vater Elmo verbüßte eine 5-jährige Gefängnisstrafe wegen Brennens von Whiskey. An der Beerdigung durfte er unter Polizeiaufsicht teilnehmen.
So kam es, dass Jerry ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Mutter aufbaute das auch immer bestehen blieb.
Jerry Lee mit 13
Im Laufe der Zeit hatte sich zwischen Jerry und seinen Cousins Mickey Gilley und Jimmy Lee Swaggert eine feste Freundschaft entwickelt. Die Verbindung dieser Drei sollte über viele Jahre hinaus bestehen bleiben. An den Wochenenden ging man ins Kino und gemeinsam mit den Eltern in die Kirche.
Assembly Of God
Mr. Lewis + Jerry Lee
Besonderer Anziehungspunkt für Jerry Lee und Jimmy Lee war Haney's Big House im Chocolate Quarters von Ferriday. Dort beobachteten beide vom Fenster das Musikgeschehen, insbesondere der Pianist Old Sam hatte es ihnen angetan.
Das Interesse an der Musik wuchs immer mehr und Jerry erhielt von seinem Vater eine Gitarre. Das genügte aber bald schon nicht mehr und endlich erfüllte sich sein größter Wunsch: er bekam ein Klavier, eine Investition, die sich schon bald bezahlt machen sollte. Nun konnte er täglich üben und auch für einige Wochen einen Klavierkurs besuchen. Mit seinem Vater klapperten sie die Honky Tonks und Bordelle der näheren Umgebung ab um ein paar Dollars zu verdienen. Er fühlte sich auch der religiösen Tradition des Südens verpflichtet, bei kleineren Auftritten in der Kirche von Ferriday konnte er sein Können unter Beweis stellen.
Mit 15 Jahren besuchte das Southwestern Bible Institut in Waxahaxie. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an Jerrys wildem Klavierspiel – bei einem Gottesdienst wurde aus "My God Is Real" ein pulsierender Boogie und die ganze Kirchengemeinde war entsetzt.
Nach seiner Rückkehr nach Ferriday versuchte sich Jerry kurze Zeit als Prediger, später tingelte er durch Bars und verdiente sich damit ein paar Dollars zur Bestreitung des Lebensunterhaltes seiner Familie (inzwischen hatte er zwei Mal geheiratet).
Jane Mitcham Lewis mit Ronnie Guy + Jerry Lee jr.
Sun Records Memphis
Sam Phillips 1952
Im Jahr 1956 fuhr Elmo auf Drängen seines Sohnes mit ihm nach Memphis in das SUN-Studio von Sam Phillips. Dort wurden der George Jones Hit "Seasons Of My Heart" aufgenommen und Sam Phillips versprach, etwas von sich hören zu lassen. Was jedoch nie geschah.
Jay Brown,Jerry Lee + Russ Smith
Einige Zeit später traf sich Jerry mit seinem Cousin J.W.Brown (Jay Brown) der in Memphis wohnte und schon eine kleine Familienband unterhielt. Der schlug ihm vor, gemeinsam noch einmal die SUN-Studios zu einer Probeaufnahme zu besuchen. Jerry willigte ein, Sam Phillips konnte sich auch sofort an ihn erinnern und so entstanden die Aufnahme "Crazy Arms" und einige andere Titel. "Crazy Arms" wurde von der ansässigen Radiostation gespielt und die Hörer waren begeistert. Sam beschloss, die Platte zu pressen mit der Rückseite "End Of The Road".
Diese Single kam im Dezember 1956 auf den Markt unter der SUN-Nummer 259 und keiner ahnte damals, dass damit der Grundstein gelegt war für eine beispiellose Karriere, die der Musikwelt einen der exzentrischsten, wildesten und skandalträchtigsten Musiker bescheren sollte – den Killer.
Bei dieser ersten Single wurde er im Studio von Roland Janes (Gitarre) und J.M. van Eaton (Schlagzeug) begleitet. Diese beiden Musiker sollten auch bei den meisten noch folgenden Studioaufnahmen seine Begleitband sein.
Im gleichen Monat kam es in den SUN-Studios zu einer denkwürdigen Begegnung. Der Zufall wollte es, dass Jerry Lee Lewis, Elvis Presley, Carl Perkins und Johnny Cash am gleichen Tag im Studio weilten, sich an die Instrumente setzten und einige Titel spielten.
Steve Allen Show
Der Tontechniker Jack Clement ließ geistesgegenwärtig das Tonbandgerät mitlaufen und so ist der Welt ein einmaliges Tondokument erhalten geblieben. 25 Jahre später wurde es als "Million Dollar Quartett" veröffentlicht.
Bei diesem Konzert freundeten sich Jerry, Carl und Johnny etwas an und beschlossen, ihre nächste Tournee gemeinsam zu bestreiten.
Nach "Crazy Arms" wurde die Single "It'll Be Me" mit der B-Seite !!! "Whole Lot Of Shakin' Going On" aufgenommen und im Mai 1957 veröffentlicht. Der Erfolg war mittelmäßig, nicht zuletzt wegen des etwas anzüglichen Textes von "Whole Lot Of Shakin' Going On". Erst nachdem Jerry Lee Lewis am 28.07.1957 in der Steve-Allen-Show in New York mit diesem Titel einen großen Erfolg landete, wurde er zu einem Hit. Die Platte fand reißenden Absatz, in der ersten Verkaufsphase wurden 6 Millionen Exemplare verkauft.
Sensationell stürmt diese Platte an die Spitze der Country-, R&B- und Pop-Charts. Einen Topplatz in den drei nationalen Hitlisten zu belegen gelang vor ihm nur seinen Label-Kollegen Elvis Presley und Carl Perkins. Das ihm im Oktober 1957 mit "Great Balls Of Fire" dasselbe noch einmal gelingt, ist unglaublich. Niemand vor oder nach ihm konnte ihm das nachmachen und wahrscheinlich wird dies auch nie wieder geschehen.
Damit war nun endgültig klar: Jerry wurde innerhalb weniger Augenblicke, aus dem Nichts kommend, zum Idol tausender begeisterungsfähiger Jugendlicher.
"High School Confidential", "Breathless" und weitere Titel, deren Aufzählung den Rahmen dieses Berichts sprengen würde, die aber in der SUN-Discographie dieser Homepage nachlesbar sind, machten Jerry zu einem der begehrtesten Rock'n Roll Interpreten Amerikas. Fernsehauftritte und Konzerttourneen, auf denen er damals immer begleitet wurde von seinem Cousin Jay Brown (Bass, Gitarre) und Russ Smith (Schlagzeug).
Erwähnen möchte ich auch noch die zwei Spielfilme in denen Jerry mitwirkte. Ende 1957 kam "Jamboree" in die Kinos, ein Streifen, in welchem viele Rock'n Roll Stars ihren Auftritt hatten, Jerry sang hier "Great Balls Of Fire". Im Juni 1958 kam der MGM-Film "High School Confidential" in die Kinos, in dem Jerry die Titelmusik auf der Ladefläche eines LKW's spielt.
High School Confidential
Myra, Jerry Lee und Schwester Frankie Jean
Jerry, der mittlerweile das dritte Mal verheiratet war mit Myra, der Tochter seines Bassisten Jay Brown und damit einer Cousine zweiten Grades, nahm seine Myra am 22.5.1958 mit auf eine Gastspielreise nach England. Die englische Presse fand heraus, dass Myra erst 15 Jahre alt war (in Wirklichkeit erst 13) und das Jerry auch noch nicht rechtmäßig von seiner zweiten Frau geschieden war. Der Skandal war perfekt und das Team musste die Tournee abbrechen und England verlassen.
Zurück in Amerika dauerte es nicht lange, bis auch hier die Medien Jerry verurteilten, seine Platten verkauften sich nicht mehr und nach 18 Monaten einer kometenhaften Karriere ging der Stern "Jerry Lee Lewis" unter. Über 6 Jahre wurde er von der Musikindustrie und seine Fans ignoriert, er selbst hat sich in dieser Zeit niemals aufgegeben. Für geringe Gagen tingelte er wieder durchs Land und nahm auch weiter Platten auf.
Jerry + Myra
Das (möglichst junge) weibliche Geschlecht spielte in Jerrys Leben immer eine dominierende Rolle. Bei den drei ersten Eheschließungen habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, wie es in einem damals schon hochentwickelten Land möglich ist, das Alter bei Beantragungen von Hochzeitslizenzen beliebig zu verändern ohne Vorlage irgendwelcher Papiere zur Legitimation. Hinzu kommt, dass Amerika schon immer ein Land war und ist, in welchem z.T. puritanische Regeln gelten im Zusammenleben von Mann und Frau.
Noch ein Wort in eigener Sache:
Ich habe, um die nachfolgenden Daten zu bekommen, sehr intensiv recherchiert. Es gibt diesbezüglich nämlich sehr viele voneinander abweichende Informationen. Sollten Fehler in den Angaben bemerkt werden, dann teilen sie das bitte dem Webmaster mit.
1. Ehefrau Dorothy Barton
Jerry war bei der Heirat 16, Dorothy 17. Beantragung der Heiratslizenz half Jerrys Onkel Lee Coulhouns, Dorothy wurde 1 Jahr und Jerry 5 Jahre "älter gemacht". Die Ehe bestand keine zwei Jahre, Jerry erhielt die Scheidungsklage von Dorothy, ignorierte sie und wartete einfach nur auf das Urteil vom 08.10.1953.
2. Ehefrau Jane Mitchum
Jerry und Jane waren bei dieser Hochzeit beide 17 Jahre alt. Auch hier wurden bei der Beantragung der Hochzeitslizenz wieder die Altersangaben gefälscht, der Beamte forderte keine Beweise.
Das die erste Ehe noch existierte wusste Jane zu diesem Zeitpunkt nicht.
Jerry war von seinem ersten Sohn wenig erbaut, glaubte er doch, Jane habe das Kind nur gewollt, um ihn an sich zu binden. Jerry Lee Lewis jr. starb am 13.November 1973 bei einem Autounfall. Als der zweite Sohn zur Welt kam, bezweifelte Jerry die Vaterschaft und wollte von dem Kind nichts wissen. Es wurde der Schwester von Jane übergeben die sich fortan um das Baby kümmerte.
Im Sommer 1957 wollte sich Jerry scheiden lassen. Aus dem Vorhaben wurde nichts, da während der Vorgespräche herauskam, dass die Ehe eigentlich gar nicht besteht, weil Jerry bei der Heirat mit Jane noch mit Dorothy verheiratet war.
Das die Ehe dann doch am 13.Mai 1958 geschieden wurde, Jane hatte ihrerseits einen diesbezüglichen Antrag am 10.3.1958 gestellt, ist für mich nicht nachvollziehbar, es muss wohl mit der in den USA etwas eigenartigen Interpretation von Recht und Gesetz zu tun haben.
3. Ehefrau Myra Gail Brown
Myra Gale Brown war bei der Heirat 13 Jahre alt, sie war die Tochter seines Cousins und Bassisten
J.W. Brown. Die Hochzeit wurde in der Hochzeitskapelle von Hernando in Mississippi vollzogen. Am 4.Juni 1958, nach ihrer Rückkehr aus England, ließen sie sich noch einmal von einem methodistischen Geistlichen im Haus seiner Eltern in Ferriday trauen, die Ehe sollte dadurch von unanfechtbarer Legalität sein.
Steve Allen Lewis ertrinkt am 22.April 1963 im Swimmingpool.
Seine Tochte Phoebe kümmert sich heute rührend um ihren Vater. Sie lebt mit ihm auf seiner Ranch in Nesbit, Mississippi, ist nicht verheiratet und hat auch keine Kinder.
Phoebe,Jerry + Kerrie
4. Ehefrau Jaren Elizabeth Gunn Pate
Jaren und Jerry blieben keine zwei Wochen zusammen. Die Scheidungsstreitigkeiten zogen sich zehn Jahre hin. Zwischendurch hatten sie sich auch wieder ausgesöhnt. Sie reichte am 11.4.1975 die Scheidungsklage ein. Es folgten weitere Klagen von ihr und Gegenklagen von Jerry Lee Lewis. (es ist schwer, hier die Übersicht zu behalten). Die endgültige Klärung der Scheidungsangelegenheit, so wie sie sich Jaren erhofft hat, kam nie zustande. Sie starb am 8.Juni 1982 im Swimmingpool einer Freundin.
5. Ehefrau Shawn Michelle Stevens
Shawn starb am 22.August 1983 an einer Überdosis Methadon.
6. Ehefrau Kerrie McCarver (22 Jahre alt)
Aus dieser Ehe stamm ein Sohn:
Es gibt auch noch eine Tochter Jeri Lee Lewis, geboren am 28.Juli 1993. Die Mutter war eine Freundin von Jerry namens Bonny Lee Bakley.
Rückkehr nach London Mai 1962
Jerry und seine Berater hielten Ende 1961 kritische Rückschau und kamen zu dem Ergebnis, dass der Schlüssel zu einem Comeback in der Vergebung seiner Sünden lag, indem England ihn wieder gnädig aufnehmen sollte. Um dieses Vorhaben zu realisieren galt es viele Hürden zu überwinden bis schließlich bekannt wurde, dass Jerry ab dem 26.04.1962 für 3 Wochen eine England-Tournee bestreiten wird.
Am 22.04.1962 traf die Familie Lewis ein schwerer Schicksalsschlag, Sohn Steve ertrank im Swimminpool. Jerry, der zu dieser Zeit in Minneapolis ein Konzert gab, kam sofort nach Hause.
Es gab einige unschöne Szenen, in denen er seinen Vater für den Tod seines Sohnes verantwortlich machte.
Nach der Beerdigung gab er bekannt, dass sein Konzert in England trotz dieser Tragödie nicht abgesagt werden soll. Er bat Myra, mit ihm nach England zu fliegen, sie lehnte jedoch ab weil sie physisch und psychisch nicht dazu in der Lage war. Eventuell werde sie später nachkommen was dann auch geschah.
Jerry + Linda Gail
Am 29.04.1962 , eine Woche nach dem Tod seines Sohnes, schickte sich Jerry in der englischen Stadt Newcastle erneut an, nach der Krone des Rock'n Roll zu greifen. Das Konzert gestaltete sich zu einem riesigen Erfolg, stehende Ovationen und viele Zugaben zeugten davon, dass man ihm verziehen hatte und er wieder auf dem Weg nach oben war.
Zurück in den Staaten begannen für Jerry wieder umfangreiche Konzertreisen und Plattenaufnahmen.
Am 6.9.1963 lief sein Vertrag mit SUN aus. Seine letzte Single bei SUN nahm er im Duett mit seiner Schwester Lind Gail auf (seine Mutter hatte ihn dazu genötigt um Linda ins Showgeschäft zu bringen). Es waren die Titel "Teenage Letter" und "Seasons Of My Heart". Scotty Moore als Produzent war von den Aufnahmen nicht begeistert.
Im Sommer 1963 startete Jerry eine weitere Europa-Tournee, dabei trat er auch das erste Mal im Star-Club in Hamburg auf.
Große Freude kehrte in der Lewis-Familie ein, als Myra ihr zweites Kind, Tochter Phoebe Allen Lewis, am 30.August 1963 gebar. Das Leben zeigte sich für Jerry jetzt wieder von der sonnigen Seite.
Frank Casone Jerrys Manager,Charlie Fach,Shelby Singleton,Irvin B Green (von Mercury) + Jerry Lee
Nach der Auflösung des Vertrages mit SUN-Records unterschrieb er im September 1963 einen Fünfjahresvertrag bei SMASH, einer Zweigfirma von MERCURY. Neben seinen alten Aufnahmen wurden jetzt verstärkt Countrytitel eingespielt, ein Vorhaben, das sich im Laufe der Zeit bezahlt machen sollte
Im Jahr 1964 kam das Beatles-Album "With The Beatles" (in Amerika "Meet The Beatles") heraus, unter anderem mit dem Song "I Want To Hold Your Hand". Diese Band sollte einen neuen Musikstil kreieren dem sich die Jugendlichen sofort mit großer Begeisterung zuwendeten. Der Rock'n Roll schien am Ende zu sein. Nicht so für Jerry Lee Lewis. Er startete im März 1964 eine weitere Europatournee und dabei kam es auch wieder zu einem Auftritt im Hamburger Star-Club. Das Konzert wurde für eine LP mitgeschnitten, die im gleichen Jahr von amerikanischen Fachjournalisten zur besten bisherigen Live-Aufnahme der Welt erklärt wurde.
1976
Jetzt begann sich auch der Wechsel zur Country.Musik endlich auszuzahlen. Mit "Another Place, Another Time" und "To Make Love Sweeter To You" landet er 1968 wieder zwei Titel in den Country-Charts auf Platz 3 bzw. 1. Schon früher aufgenommene Titel, wie "Invitation To Yor Party", "One Minute Past Eternity", "I Can't Seem To Say Goodbye und "Waiting For A Train" (alle aus dem Jahr 1963) kletterten auf vordere Plätze in den Charts.
Das Album "She Even Woke Me Up To Say Goodbye" von 1969 enthielt zwei Nummer-2-Hits und zählt mit zu den besten Country-Alben, die Jerry bis dahin veröffentlicht hat.
Ein Highlight war auch sein Auftritt in der Johnny Cash-Show am 05. Februar 1970.
Wie so oft im Leben, wenn es einem gut geht, passieren Dinge, die man eigentlich nicht erklären kann. Das Zusammenleben mit Jerry wurde für Myra immer schwieriger, Alkohol, Streitereien und sogar tätliche Übergriffe waren an der Tagesordnung. Die Scheidung von Myra im Mai 1971 war die logische Konsequenz.
Die nächsten zehn Jahre sind eine einzige Katastrophe. Krankheiten, zeitweilige Abhängigkeit von Alkohol, Drogen und Tabletten, Geldnot durch Steuerschulden und Gesetzeskonflikte machten es ihm unmöglich, seine Karriere kontinuierlich fortzusetzen. 1981 entgeht er nach einem Magendurchbruch nur knapp dem Tod.
Cleveland
Dieses Ereignis muss ein Signal für Jerry gewesen sin. Ab Mitte der 80er Jahre geht es wieder bergauf. Er wird 1986 als einer der ersten Musiker in die "Rock And Roll Hall of Fame" aufgenommen.
Kinofilm mit Dennis Quaid
Im Jahr 1989 erscheint seine Filmbiographie "Great Balls Of Fire – ein Leben für den Rock'n Roll" mit Dennis Quaid in der Hauptrolle.
Im Mai 1995 veröffentlicht er wieder ein Rock-Album: "Young Blood". Er nennt es "sein bestes Album aller Zeiten", was von seinen Fans aber nicht uneingeschränkt bestätigt wird.
Am 13.2.2005 wurde Jerry Lee Lewis mit einem Grammy für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Im Jahr 2007 wurde dem 72jährigen Jerry Lee Lewis noch eine große Ehre zuteil. Er erhielt aus den Händen von Kris Kristofferson den American Music Master 2007, eine Auszeichnung, die seit 1996 von der Rock and Roll Hall of Fame vergeben wird (nicht zu verwechseln mit den American Masters).
Jerry Lee Lewis, der große alte Mann des Rock'n Roll, hat niemals aufgehört, auf Tour zu gehen. Als explosiver und wilder Musiker hat er mit Raffinesse und Spaß das Publikum in aller Welt begeistert. Unvergessen für mich sind seine Europa-Tourneen zusammen mit Chuck Berry und Little Richard ("The Legends Of Rock'n Roll"). Hier konnte ich mein großes Idol auch zweimal bewundern. Jerry Lee Lewis ist für mich der Größte, das Enfant terrible der Rockmusik schlechthin, die erste Legende des Rock'n Roll und ich werde nie aufhören, seine Musik zu spielen, seine Konzertaufzeichnungen mir anzusehen und sein musikalisches Lebenswerk in Ehren zu halten.
Die Truppe
Wir schreiben das Jahr 2002. Jerry sollte für den Filmproduzenten Steve Bing zwei Songs für einen Soundtrack neu aufnehmen. Bing und sein Partner Jimmy Rip suchten Jerry auf, der gerade mal wieder in sehr schlechter Verfassung war. Nachdem die finanziellen Dinge geklärt waren begannen die Aufnahmen und man konnte erleben, wie er, wieder im Studio, zu alter Form und Größe auflief. Oft hatte es den Anschein, dass er den körperlichen Strapazen nicht mehr gewachsen sei, doch in dem Moment, wo er am Klavier saß und seine Hände über die Tasten glitten, schien die Zeit stehengeblieben zu sein.
Aus dem Soundtrack wurde ein ganzes Album, der Arbeitstitel lautete "The Pilgrim". Die Arbeiten zogen sich über mehrere Jahre hin, das Erscheinungsdatum des Albums wurde mehrere Male verändert. Aber was macht das schon, denn das, was letztendlich dabei herauskam, ist eines der bedeutendsten Werke der Musik, ein Werk, das eine monumentale Sammlung puren Rock'n Rolls darstellt gemischt mit gefühlvollen Blues- und Countryeinlagen:
Kid Rock
Last Man Standing
Was macht das Werk so außergewöhnlich? Wir haben hier eine CD mit 22 Titeln, auf der Jerry Lee Lewis mit 21 Duettpartner singt, deren Namen sich wie das "Who Is Who" der Rock- bzw. Popmusik anhören. Es sind dies Keith Richards, Mick Jagger, Ron Wood, Willie Nelson, Eric Clapton, Kid Rock und Bruce Springsteen, nur um ein paar seiner Partner zu nennen.
Jimmy Rip sagte dazu: Es waren 21 meiner leichtesten Telefonate, jeder wollte mit dem Killer singen".
Ich weiß nicht, wer die Songs auf dieser CD ausgesucht hat, aber es ist eine Auswahl, wie sie besser nicht sein könnte.
Für mich ist das absolute Highlight dieses Albums der Stonesklassiker "Honky Tonk Woman" zusammen mit Kid Rock. Die beiden kräftigen Stimmen ergänzen sich wunderbar, der Chor tut sein übriges und das Klavierspiel von Jerry ist wie immer überwältigend.
Es würde zu weit führen, jede Aufnahme zu kommentieren. Diese Scheibe ist Pflicht für jeden Rock'n Roll Fan und jeder möge sich selbst seine Gedanken machen über das, was hier geboten wird. Ich habe den Eindruck, dass Jerry hier mit aller ihm zur Verfügung stehenden Kraft noch einmal eindrucksvoll bewiesen hat, dass er immer noch in der Lage ist, seine Musik explosiv und mit ungebrochener Kraft darzubieten. Sein Klavierspiel ist nach wie vor ein Feuerwerk von Energie, wenn man die Augen schließt könnte man sich um 50 Jahre zurückversetzt fühlen in die Zeit, wo alles einmal mit "Crazy Arms" begann. Und seine in die Jahre gekommene Stimme ist für mich immer noch ein akustischer Hochgenuss.
Bemerkenswert ist auch, dass dem Hörer an so vielen Stellen der Live-Charakter und die tolle Stimmung bei den Aufnahmen durch Smalltalks am Anfang oder am Ende der Tracks erhalten blieben. Jerry hat bei allen Duetten das erste und meistens auch das letzte Wort.
Als Ergänzung zu dieser CD, die ihm mit Sicherheit weltweite Anerkennung brachte, erschien 2007 eine DVD "Last Man Standing Live". Hierbei handelt es sich um ein Livekonzert mit insgesamt 28 Titeln sowie Bonus Material, welches am 29.09.2006, am Tag seines 71sten Geburtstages, in New York stattfand und aufgezeichnet wurde. Zu sehen sind Jerry Lee Lewis und viele Dauerbrenner des Rock 'n' Roll, 14 namhafte Gäste aus verschiedenen Musikstilen singen im Duett mit dem "Killer" alte Rock'n Roll– und Country-Klassiker. Kris Kristofferson, Merle Haggard, John Fogerty und Willie Nelson sind dabei, nur um einige Namen zu nennen.
Wir sehen Jerry in Hochform, wie in alten Zeiten lässt er seine Finger über das Klavier gleiten und seine Stimme ist einfach grandios. Auch seinen Duettpartnern merkt man an, dass ihnen die Auftritte viel Spaß bereiten. Eine Aufnahme möchte ich besonders hervorheben, es ist der Titel "That Lucky Old Sun". Hier spielt und singt er zusammen mit seinem langjährigen Gitarristen Ken Lovelace, als Instrumente hören wir nur Jerrys Klavier und Kens Gitarre. Jerrys Stimme klingt dabei oft sehr brüchig, ob es am Alter liegt oder den dabei freiwerdenden Emotionen möge der Zuhörer entscheiden. Für mich eine Highlight dieser DVD.
Abgerundet wird das Gesamtwerk durch interessante Archivaufnahmen und Interviews von einigen seiner Weggefährten. Auch Jerry gibt eines seiner, in letzter Zeit selten gewordenen, Interviews gemeinsam mit seiner Tochter Phoebe. Dabei kann man seinen extremen "Südstaatenslang" bewundern, den selbst Amerikaner nur mit entsprechender Übung einigermaßen verstehen können (am Klavier hört er sich ganz anders an).
Abschließend will ich noch erwähnen, dass die DVD in einer hervorragenden Bild- und Tonqualität produziert wurde.
Quellennachweis für "Jerry Lee Lewis Spezial":
- Myra Lewis Muray Silver: "Great Balls Of Fire" – Goldmann Verlag
- Nick Tosches: "Hellfire – Die Jerry Lee Lewis-Story – Ullstein Verlag
- Siegfried Schmidt-Joos, Barry Graves: "Rock Lexikon" – Rowohlt Verlag
- diverse Internetpräsentationen